Enthüllung Gedenktafel Susanna Daucher, 12. April 2013

 

Rückblick:

Vom 12. bis 14. April tagte die Mitgliederversammlung des Mennonitischen Geschichtsvereins (MGV) in Augsburg. Der Auftakt des Wochenendes war die Enthüllung der Gedenktafel, die an die Osterversammlung 1528, an die Ausweisung der Gastgeberin Susanna Daucher und an die Körperstrafen für einige und an die Hinrichtung Hans Leupolds erinnert.
Ein Wolkenbruch vertrieb uns vom Daucherhaus, doch fanden wir gastliche Aufnahme in der Sakristei der Barfüßerkirche, wo Grußworte von Kultur- bürgermeister Peter Grab, Stadtdekanin Susanne Kasch für die Ev. Luth. Kirche, Hans Lingener für die Baptisten, Pfr. Dr. Michael Mayr für die katholische Kirche und Pax Christi gesprochen wurden. Alexander Aschoff, ein Nachkomme von Susanna Daucher in der 14. Generation, enthüllte die Gedenktafel. Sein Großvater Friedrich Aschoff, Pfarrer i.R., sprach über die persönliche und geistliche Bedeutung dieser Abstammung. Wilhelm Unger von der Mennonitengemeinde Regensburg sang ein Lied des Täufers Hans Hut „O allmächtiger Herr und Gott“ (1527). Für Frieden, Gerechtigkeit, heute verfolgte Christen und ein Miteinander der Kirchen und Religionen beteten Wolfgang Bay, Methodistengemeinde Augsburg, Dankwart Horsch, Mennonitengemeinde Regensburg, Rüdiger Lichti, aus unserer Gemeinde und Pfr. Franz Wolf, St. Ulrich. Die vereinten Freikirchler Hans Lingener, Wolfgang Bay und Wolfgang Krauß segneten die ökumenisch vielfältige Versammlung.

Wolfgang Krauß

 

So schrieb die Presse:

Augsburger Allgemeine Zeitung: Erinnern an die Vertreibung der Täuferin, Von Sybille Schiller

Adventistischer Pressedienst: Gedenktafel für die aus Augsburg vertriebene Täuferin Susanna Daucher

Hier die Gedenktafel:

 

 

Der Aufruf zur Veranstaltung

Wann: am Freitag, den 12. April 2013
Wo: in der Schleifergasse 10, in Augsburg
(Zum weitergeben: www.mennonitengemeinde.de/gedenktafel-daucher.html)

Es wird öffentlich eingeladen, erwartet werden nebst Vertretern der Stadt Augsburg auch zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter der Kirchen und Religionsgemeinschaften.

Augsburg war im 16. Jahrhundert eine der Hauptstädte der Täuferbewegung. Dies wird jedoch heute kaum öffentlich wahrgenommen.

Jetzt soll ein erstes bleibendes Erinnerungszeichen gesetzt werden.

Eine neue Gedenktafel in Augsburg macht uns mit Menschen bekannt, die vor bald 500 Jahren in die Nachfolge Jesu aufgebrochen sind. Ohne staatlichen Zwang und kirchliche Hierarchie wollten sie geschwisterliche Gemeinde sein. Die Gedenktafel an Susanna Daucher. An ihrem Wohnhaus, Hinterer Lech 2 / Schleifergasse 10, soll am 12. April 2013 eine Gedenktafel enthüllt werden.

Täuferporträt: Susanna Daucher

Susanna war die Ehefrau des bekannten Bildhauers Hans Daucher, von ihm stammt etwa die Skulptur “Der Leib Christi“ in der Fuggerkapelle der Annakirche. Auch die Mutter und eine Schwester Susannas waren Täuferinnen.

Am 12. 4. 1528 wird eine Ortsversammlung im Haus der Dauchers von der Augsburger Stadtwache gesprengt. 88 Teilnehmer werden verhaftet, zum Teil unter Folter verhört und ausgewiesen. Manche erhalten Brandzeichen. Elisabeth Heggenmiller wird die Zunge abgeschnitten. Hans Leupold, Vorsteher der Gemeinde, wird zum Tode verurteilt und am 25. 4. 1528 enthauptet. Strafverschärfend für ihn: Er hatte sich über eine frühere Ausweisung hinweggesetzt. Susanna wird auf Lebenszeit ausgewiesen. Ihre beiden kleinen Kinder muß Sie zurücklassen. Weil sie schwanger ist, wird ihr das Brandmarken erlassen.

Susanna und ihre Schwester Maxentia Wissinger waren sich keiner Schuld bewußt. In den Versammlungen sei nur „das Wort Gotte» vorgelesen und gelehrt worden“, heißt es in den Verhörprotokollen. Laut ihrer Aussage wurde wie im November 1527 im Haus von Felicitas und Conrad Huber getauft. Wohl zum Schutz der Hausbesitzer sagt sie, das Ehepaar sei bei der Taufe abwesend gewesen. Auch an einem Treffen der Wiedertäufer in Radegundis bei Wellenburg habe sie teilgenommen. Sie habe nicht gewußt, daß Treffpunkte der Täufer in Augsburg mit einem Kreis markiert worden seien. Sie bleibe standhaft und weigere sich ihrem Glauben zu wiederrufen.

Die Lebenswege ihrer Kinder, die sie in Augsburg bei einem Vormund lassen mußte, lassen sich nachverfolgen. Sie selbst könnte nach Stuttgart gegangen sein, wie andere Augsburger Täufer.

 

Die Täufer strebten nach einer unabhängigen Kirche in der Nachfolge Jesu. Sie orientierten sich an der Bibel, betonten aber auch das unmittelbare Wirken des Geistes. An staatlicher Gewaltausübung wollten sie nicht teilnehmen und lehnten den Kriegsdienst ab. Sie teilten miteinander und mit den Armen und setzten so Zeichen für eine gerechte Gesellschaft. Glaube und die Entscheidung, Jesus nachzufolgen, sollten freiwillig sein. Darum tauften sie Erwachsene und lehnten die Säuglingstaufe ab. Von ihren Gegnern „Wiedertäufer“ genannt, wurden sie bald von katholischen wie reformatorischen Obrigkeiten verfolgt und vielfach hingerichtet.